Roy und Alex in Bali: zwei Wochen Co-Working zwischen Reisterrasse und Kunden-Call.
Im Juli haben mich Roy und Alex in Ubud besucht. Zwei Wochen, in denen wir tagsüber mit Schweizer Kundinnen und Kunden gearbeitet haben und abends tatsächlich Feierabend hatten. Wie das ging und warum es uns als Team näher gebracht hat als zwei Wochen Co-Working in Bern.

Von Liv Schläfli
Inhaberin, Digital & Content
Wir haben es lange geplant: Roy und Alex kommen mich für zwei Wochen in Bali besuchen, wir nehmen ein kleines Haus in Ubud, arbeiten gemeinsam, treffen uns abends zum Essen, am Wochenende fahren wir an die Küste. Ein Familien-Workation, würden andere sagen. Wir nennen es einfach: zwei Wochen mehr Familie.
Kurz zur Klarstellung, weil die Frage immer wieder kommt: Aline hat in dieser Zeit den Laden in Bern gehalten. Termine vor Ort, Übergaben, ein Shooting, alles ist in der Schweiz weitergelaufen. Bei den Kundinnen und Kunden, bei denen es relevant war, haben wir vorher gesagt, dass drei von uns für zwei Wochen aus Bali zugeschaltet sind und Aline die physische Präsenz in Bern abdeckt. Niemand musste raten.
Praktisch sah das so aus. Wir haben uns auf Schweizer Zeitfenster eingestellt: morgens, also Schweizer Mitternacht bis sieben Uhr, war Tiefarbeit. Konzepte, Designs, das, was Konzentration braucht. Ab Schweizer Bürozeiten, also nachmittags und abends bei uns, waren Calls und Reaktionen drin.
Konkret: ein Kunden-Call um 15 Uhr Schweiz, also 21 Uhr Bali, mit Reisfeldern hinter dem Rücken, das Bambus-Café neben uns ist um diese Zeit ruhig, das Internet stabiler als in mancher Berner Altstadtwohnung. Der Kunde hat es nicht gesehen, weil wir uns einen schlichten Bücherregal-Hintergrund gewählt haben. Hätten wir den Reisfeld-Hintergrund gewählt, wären wir Klischee. So waren wir einfach professionell. Mit fünf Mücken am Knie, aber das hat niemand mitbekommen.
Was uns überrascht hat: wir waren produktiver als in der Schweiz. Keine Pendlerei, keine Termine, die zwischendurch reinplatzten, kein Schweizer Wetter, das einen am Mittwoch um 14 Uhr ans Sofa fesselt. Stattdessen klare Blöcke, gemeinsame Mittagessen, ein abendlicher Sprung in den Pool, dann nochmal zwei Stunden für Schweizer Reaktionen.
Was es uns als Familie gegeben hat: zwei Wochen, in denen wir nicht nur Kollegen waren, sondern Menschen, die zusammen Frühstück machen, sich abends über das Briefing und über das Leben unterhalten, die zusammen einen verregneten Tag in einem Tempel verbringen. Diese Art Vertrauen lässt sich in keinem Onsite-Workshop in Bern aufbauen.
Was wir nicht wiederholen würden. Wir haben einmal versucht, einen Workshop mit acht Personen, davon sechs in der Schweiz, von Bali aus zu moderieren. Die Zeitverschiebung war machbar, die Bandbreite auch, aber die Energie eines Workshops lebt von Präsenz. Lehre: Workshops macht jemand vor Ort, oder gar nicht.
Roy hat seitdem dreimal vorgeschlagen, das jährlich zu machen. Aline ist noch skeptisch, was den Flug betrifft. Wir denken drüber nach, vielleicht ein Co-Working in Italien oder Portugal als CO2-bewussterer Mittelweg.
