Ein Jahr unterwegs, kein Tag offline: was die Weltreise unsere Agentur gelehrt hat.
Vom 5. Dezember 2023 bis am 4. Januar 2025 war Liv mit ihrem Partner Claudio rund dreizehn Monate unterwegs, durch zwölf Länder zwischen Sri Lanka und Kolumbien. Die Familie hat weitergearbeitet, einige Kundinnen und Kunden haben es kaum gemerkt. Ein Rückblick auf das, was funktioniert hat und das, was wir nie wieder tun.

Von Liv Schläfli
Inhaberin, Digital & Content
Am 5. Dezember 2023 standen mein Partner Claudio und ich am Flughafen Zürich, jeder einen 65-Liter-Rucksack auf dem Rücken, ein MacBook Air im Daypack und ein mulmiges Gefühl im Magen. Vor uns: ein Direktflug nach Colombo, Sri Lanka, und ein gutes Jahr, das wir Sabbatical genannt haben. Am 4. Januar 2025 sind wir wieder in Zürich gelandet, dreizehn Monate später, zwölf Länder leichter im Kopf und ein paar Kilo schwerer im Rucksack. Sabbatical ist allerdings ein grosses Wort für jemanden, der einfach mit Laptop ans andere Ende der Welt zieht und weiterarbeitet. Im Reisebüro hätte man «Workation» dazu gesagt.
Die Frage, die mir alle gestellt haben: «Aber funktioniert das wirklich, eine Agentur zu führen, während du in Vietnam in einer Hängematte liegst?» Die ehrliche Antwort, mit ein bisschen Abstand: ja, in 90 Prozent der Fälle. Die übrigen 10 Prozent waren der Lehrstoff. Claudio hat in dieser Zeit übrigens eine erstaunliche Karriere als geduldiger Hintergrund-Statist in Calls gemacht.
Die Route, in Stichworten: Sri Lanka, Vietnam, Thailand, Malaysia, Bali, Philippinen, dann ein grosser Sprung über den Pazifik nach Brasilien, danach Argentinien, Chile, Bolivien, Peru, Kolumbien. Dreizehn Monate, zwölf Länder, ein Laptop, eine Familie zuhause, die alles am Laufen gehalten hat.
Was funktioniert hat. Asynchrones Arbeiten, das wir vorher schon ernst genommen hatten, wurde zum echten Standard. Loom-Aufnahmen statt Calls, ausführliche Briefings statt schneller Pings, klare Verantwortlichkeiten pro Projekt. Meine Eltern Roy und Alex, meine Schwester Aline, alle drei in Bern, ich irgendwo zwischen UTC plus 7 und minus 5: das ging nur, weil wir ehrlich dokumentiert haben, was passiert.
Was nicht funktioniert hat. Ein Pitch, den ich aus La Paz führen wollte, weil ich dachte, ein Call sei ein Call. War es nicht. Die Verbindung hat zweimal ausgesetzt, der Kunde war freundlich, aber die Energie war weg, und ich war auf 3'600 Metern leicht ausser Atem, ohne den Hügel hochgelaufen zu sein. Lehre: kritische Termine plant man von einem stabilen Ort und unter 2'000 Metern. Punkt.
Was wir Kundinnen und Kunden geschuldet haben: Transparenz. Niemand hat heimlich von einem Strand aus gearbeitet. Bei einigen Kundinnen und Kunden, vor allem bei laufenden Projekten und bei jenen, die uns persönlich nahe sind, haben wir es offen kommuniziert: Liv schaltet sich aus dem Ausland dazu, Roy, Alex und Aline sind weiter vor Ort in Bern. Bei anderen war es schlicht kein Thema, weil das Resultat gestimmt hat.
Wichtig war uns dabei: vor Ort blieb immer jemand. Workshops, Shootings, Kunden-Apéros, alles, wo körperliche Präsenz zählt, hat Roy, Aline oder Alex übernommen. Ich war die Stimme im Call, nicht die Stimme in Bern. Das haben wir Kundinnen und Kunden so gesagt, wenn es relevant war, und wir haben sie damit nie überrascht.
Was es uns als Familie gebracht hat. Wir haben gelernt, dass unser Modell, dezentrales Arbeiten ohne gemeinsames Büro, kein Notnagel ist, sondern eine echte Stärke. Wenn die Inhaberin dreizehn Monate nicht im selben Kontinent sitzt und die Maschine trotzdem läuft, dann ist da Substanz.
Und persönlich: ich bin mit klarerem Kopf zurückgekommen. Mit dem Wissen, dass eine Agentur kein Käfig ist, sondern ein Werkzeug. Wir entscheiden, wie wir es benutzen.
